Schimmel
(Quellennachweis:www.inobasave.de, Ralf Tönnies)
Was ist Schimmel?
Schimmel, auch Schimmelpilz genannt, gehört in die Klasse der Mikroorganismen und zählt zum Reich der Pilze. Von den etwa 100.000 verschiedenen Schimmelarten können sich nach Studien des Instituts Fresenius ca. 250 Stück im menschlichen Wohnbereich ansiedeln. Diese bezeichnet man recht allgemein auch als Wohnraumschimmel.
Manche Arten von Schimmel sind edel, wie z.B. Weiß- und Blauschimmel auf Salami und Roquefort, viele sind harmlos, andere jedoch giftig und einige sogar tödlich giftig.
Welche Eigenschaften eine bestimmte Schimmelart entwickelt, hängt oft vom Untergrund (Substrat) ab, auf dem er wächst. So kann ein vergleichsweise „harmloser“ Schimmelpilz, der lediglich Allergene produziert, auf z. B. einer Siliconharzfarbe zu einer wahren Chemiefabrik mutieren und so auf einmal tödlich wirkende Gifte herstellen. Schimmelpilzgifte gehören zu den giftigsten Substanzen der Welt.
Ein Schimmelbefall lässt sich oft schon augenscheinlich durch einen faserigen, flockigen oder staubigen Bewuchs an der Oberfläche erkennen. Die Farben der Fruchtkörper erstrecken sich von weiß über grau, blau, grün, rot, braun, gelb bis hin zu Schwarz. Bei geringer Vergrößerung ähnelt die Fläche einem Wald.
Allerdings ist dieser sichtbare Bewuchs nur ein kleiner Teil des gesamten Organismus. Weitaus größer ist das sich über das gesamte befallene Material erstreckende Mycel (Pilzgeflecht). Es hat eine fadenähnliche Struktur, die aus vielen, unendlich miteinander verzweigten Hyphen (Pilzfäden) besteht. So ist es dem Schimmelpilz möglich sogar Bereiche ohne ausreichende Feuchtigkeit zu befallen.
Oft genug sieht man den Schimmel erst gar nicht. Eine Stelle hinter der Fußleiste, in der Dämmung, im Fußboden – ihm reicht eine kleine, versteckte Nische meist völlig aus.
Einige Arten sind sogar in der Lage, den Menschen direkt zu besiedeln. Die hier bekanntesten, durch einen Befall mit Schimmel hervorgerufenen, Krankheitsbilder sind die Stachybotyose und die Aspergillose. Neben der Lunge und Schleimhäuten kann allerdings auch die Haut vom Schimmelpilz befallen werden. Vor allen Dingen sind hier Menschen mit einem schwachen Immunsystem, also Kleinkinder, alte Menschen, frisch operierte etc. gefährdet. Nun ist es aber auch bekannt, dass viele Schimmelarten gefährliche Allergene und auch Gifte absondern, die das Immunsystem nachhaltig schwächen und so quasi den „Nährboden“ für die Besiedelung des Menschen mit vorbereiten können.
Einmal an Stachybotryose oder Aspergillose erkrankt, besteht für die Betroffenen kaum mehr Aussicht auf Heilung. Der Krankheitsverlauf endet meist tödlich, zumal sie ihre Gifte (Mykotoxine) nunmehr direkt an den befallenen Wirt abgeben können. Wichtig für Mediziner: Die Gabe von Antibiotika kann sich hier sogar als gefährlich erweisen, da diese auch Bakterien zerstören, die für den Körper nützlich sind und einer Schimmelinfektion entgegenwirken. Antibiotika können also dazu führen, dass sich der Schimmelbefall im Körper noch rascher ausbreitet.
Die Schimmelsanierung gehört eindeutig in die Hände von einem Fachmann. Durch gravierende Fehler bei der Kellersanierungälterer Gebäude z. B. mit Dispersionsfarben, vielleicht noch in Verbindung mit einem nicht geeigneten Wandverputz, hat in den letzten 20 Jahren die Bildung von Schimmel im Keller dramatisch zugenommen. Die Verwendung einer Antischimmelfarbe verbietet sich in vielen Fällen von selbst, darin sind oft sog. Biozide enthalten. Diese wirken grundsätzlich auch auf den Menschen. In manchen Fällen kann aber ein Sanierputz oder ein reinmineralischer Putz Abhilfe schaffen. Das sollte aber vorher vom Fachmann geprüft werden. Die Schimmelbekämpfung gehört nicht in die Hand von Laien oder unerfahrenen Handwerkern!
Macht Schimmel krank?
Schimmel ist eigentlich ein natürlicher Begleiter unseres Lebens und wächst in der Natur eigentlich fast überall. Mit dieser natürlichen Exposition hat auch kaum ein Mensch irgendwelche Probleme. Was uns so stark belastet sind die Schimmelarten, die sich in unserem Wohn- und Lebensbereich ansiedeln. Durch die eingeschränkte Luftwechselrate ist die Konzentration an Sporen oder anderen Schimmelbestandteilen um ein vielfaches höher als in unserer natürlichen Umwelt. Lüften hilft da nur wenig und kann unter bestimmten bauphysikalischen Bedingungen sogar schädlich sein. Es könnte sich Kondenswasser bilden. Schimmelbefall an Fensterlaibungen ist nur ein Beispiel.
Typische Anzeichen einer Schimmelallergie können z. B. sein:
Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, wiederkehrende Übelkeit, Müdigkeit, Konzentrationsschwächen, Atembeschwerden, Asthma, chronischer Reizhusten, Hautreizungen, nässende Hautentzündungen, Muskelschmerzen, Herzrhythmusstörungen, und vieles mehr.
Kommt Ihnen das bekannt vor? Genau diese Symptome werden auch von einer Vielzahl anderer Erkrankungen hervorgerufen. Zudem produziert eine Schimmelart nicht nur ein Allergen, sondern gleich eine Vielzahl davon. Um eine Schimmelallergie also sicher zu diagnostizieren, müsste der Patient mit mehreren hundert verschiedenen Substanzen getestet werden und fast wöchentlich kommen neue hinzu. Ein extrem teures und zudem fast aussichtsloses Unterfangen. Die Vielzahl der Allergene in Verbindung mit den o. a. Symptomen macht die Diagnose „Schimmelallergie“ nahezu unmöglich.
Nicht viel besser sieht es mit Vergiftungserscheinungen durch Mykotoxine aus. Auch hier gibt es Hunderte, vielleicht sogar Tausende unterschiedliche Substanzen. Viele davon können schon unterhalb der momentan möglichen Nachweisgrenze wirksam sein.
Schimmelbekämpfung
Muss Schimmel erst entstehen?Mit Schimmelbefall ist nicht zu spassen. Schon bevor Sie erst ein Problem mit bekommen, beginnt die beste Schimmelbekämpfung in jedem Haushalt zunächst einmal mit der Prävention. Das bedeutet, jeder Raumnutzer sollte die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Schimmel kennen und sie beachten.
Der wichtigste Punkt bei der Vorbeugung von Schimmelproblemen ist das oft zitierte Lüftungsverhalten. Im Folgenden sei dieses Mysterium einmal näher beschrieben.
Beim Lüften ist es wichtig, dass eine ausreichende Luftwechselrate* erreicht wird. Das geht am Besten, wenn 3 – 5-mal am Tag die Heizung ausschaltet und für jeweils etwa 10 Minuten bei vollständig geöffneten Fenstern quergelüftet wird. Mit Querlüftung ist gemeint, dass die Fenster der jeweils gegenüberliegenden Seiten gleichzeitig geöffnet werden, dadurch lässt sich ein wesentlich stärkerer Luftstrom erzeugen und so die schneller herauslüften. Ist dies bauartbedingt nicht möglich, so sind die Fenster entsprechend länger offen zu halten.
Da beim Kochen, Duschen oder Baden automatisch erhebliche Mengen Wasserdampf freisetzt werden, ist es sinnvoll, nach jeder Benutzung des Bades oder der Küche diesen Raum separat durch zu lüften.
Aber es gibt noch eine Reihe weiterer Präventivmaßnahmen zur Schimmelbekämpfung, die es im Haushalt zu ergreifen gilt:
Vor feuchten Wänden eine Strahlungsheizung aufstellen.
Einen Hygrometer (Luftfeuchtemessgerät) und ein Thermometer aufstellen und regelmäßig Luftfeuchtigkeit sowie Temperatur kontrollieren, die optimale relative Luftfeuchtigkeit liegt bei 55% und die optimale Raumtemperatur bei 21°C.
Bei zu hoher Luftfeuchtigkeit (über 75%) einen Luftentfeuchter aufstellen (Achtung: dieser ersetzt nicht das Lüften).
Jegliche Abfalleimer , insbesondere Restmüll- und Bioabfalleimer täglich leeren und säubern.
Einrichtungsgegenstände möglichst in einem Wandabstand von 5 bis 10 cm aufstellen, dies ermöglicht auch hier eine bessere Luftzirkulation.
Wäsche nicht in Innenräumen trocknen, sondern nach Möglichkeit einen Wäschetrockner verwenden, dessen Abluft nach draußen abgeführt wird.
Nur vollständig getrocknete Wäsche weg hängen.
Ausreichend Wohnraum pro Person schaffen, zur Verfügung stellen um den entstehenden Wasserdampf zu puffern.
Genug Wohnraum pro Person schaffen, um den produzierten Wasserdampf auszugleichen bzw. abzupuffern.
Wandanstriche mit Kalk- oder Silikatfarben vornehmen. Diese sind anorganisch. Selbst bei widrigen bauphysikalischen Bedingungen kann sich auf ihnen kein Schimmel bilden.
Schimmelbekämpfung im Haushalt
Nachfolgend sind einige Hausmittel beschrieben, die häufig von Privatpersonen zur Schimmelbekämpfung angewendet werden. Allerdings hat sich herausgestellt, dass die einzig wirksame Methode zur Abtötung von Schimmel hochprozentige Alkohole wie beispielsweise Isopropanol sind. Hierzu muss die betroffene Stelle mehrmals satt mit einem solchen Alkohol abgewaschen werden, jedoch darf sie dabei auf keinen Fall abgerieben werden, da sonst die Gefahr besteht, dass die Sporenkapseln platzen.
Weitere Möglichkeiten der Schimmelbekämpfung und warum sie keinen Erfolg bringen:
5-15-prozentiges Wasserstoffperoxyd, hier werden eher die Sporen gebleicht, denn zerstört. Ebenfalls bleibt das Mycel oft intakt. Nach 2 Wochen hat sich der Schimmelpilz erholt.
Ammoniaklösungen sind sehr stark reizend und dadurch gesundheitsgefährdend.
Chlorbleichlauge enthält Natriumhypochlorid und ist gesundheitsgefährdend.
Isothiazolinderivate sind hochreaktiv und deshalb auch gesundheitsschädlich.
Antischimmelfarbe enthält entweder giftige Fungizide oder hoch reaktive Nanopartikel aus Silber, deren Auswirkungen auf die Gesundheit noch völlig ungeklärt sind.
Fungizide sind giftig, wasserlöslich, werden im Außenbereich ausgewaschen und im Innenbereich „abgegriffen“. Sie sind gesundheitsgefährdend, nicht nur für Menschen.
Essig oder Essigessenz taugen lediglich dazu, den Fruchtkörper vom Schimmelpilz leicht auszubleichen. Was jedoch die wenigsten wissen ist, dass man dem Pilz eine reiche Nahrungsquelle zuführt. Somit wird er regelrecht gezüchtet anstatt bekämpft.
Damit sind die Möglichkeiten des Privathaushaltes eigentlich schon ausgeschöpft. Berücksichtigt man noch, dass viele Schimmelarten nicht nur gefährliche Allergene produzieren, sondern auch gefährliche Gifte (Mykotoxine) und einige sogar in der Lage sind, den Menschen direkt zu besiedeln, wird schnell klar, dass mit einer Schimmelsanierung oder Schimmelbekämpfung eigentlich nur der beauftragt werden darf. Zudem ist schon seit Jahrzehnten bekannt, dass laienhaftes und unsachgemäßes „Herumfingern“ die Belastung eher noch erhöht.

